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Bedeutung ihn überragend ist der große tibetische Reformator
Tsong-kha-pa, geboren 1357. Sein Wirken ist vergleichbar der Reformbewegung von
Cluny. Zwischen der Zeit Padmasambhawas und Tsong-kha-pas lagen Jahrhunderte
des inneren und äußeren Zerfalls Tibets. Der religiöse
Antagonismus zwischen Bontum und Buddhismus hatte zu inneren Wirren
geführt, in denen sich die großen buddhistischen Klöster zu
politischen Machtzentren entwickelten, wodurch der Buddhismus die Rolle des
staatstragenden Elementes erhielt. Der zentralen Stellung der Klöster
entsprach deren innere Struktur keineswegs, das Niveau war erschreckend tief.
In dieser Situation trat Tsong-kha-pa als Erneuerer der buddhistischen Lehre und
Reformator des klösterlichen Lebens auf. Er gründete 35 km
östlich von Lhasa das erste Reformkloster dGa-Idan. Hier herrschte
strengste Zucht: Rauschtrankgenuss, langes und unzeitiges Schlafen sowie das
Einnehmen von Abendmahlzeiten waren verboten. Der Zustrom von Mönchen war
so groß, dass diese Reformsekte die Führung des tibetischen
Buddhismus übernehmen konnte. Der Name der Sekte war dGe-lugs-pa,
„Tugendsekte“; bekannt wurde sie durch ihre Tracht. Im Unterschied
zu den schwarzen Mützen der Bonpo und den roten des älteren
tibetischen Buddhismus trugen diese Mönche gelbe Mützen, was der neuen
Richtung den Namen „Gelbe Kirche“ eingetragen hat.
Tson-kha-pa starb 1419. Vor seinem Tod prophezeite er mKhas-grub-rje und
dGe-dun grub-pa, seinen beiden vornehmsten Schülern, sie wurden sich als
Oberpriester ständig neu verkörpern. Er begründete damit eine
rein geistliche Übertragung priesterlicher Ämter, die chubilghanische
Sukzession (mongolisch, Verwandlung).
Nach der Lehre von der chubilghanischen Sukzession gelten die beiden
Oberpriester Tibets als „Verwandlungen“, als immer neue
Inkarnationen von Buddhas und Bodhisattwas. Rangmäßig an erster
Stelle steht der Pantschen-Lama, „das Juwel der Gelehrten“, die
Inkarnation des „Buddha des unermesslichen Lichtglanzes“, des Buddha
Amitabha. Die Inkarnation des Bodhisattwa Awalokiteschwara, des
„gnädig herabblickenden Herrn“, des Schutzherrn von Tibet,
ist der Dalai-Lama, der „Ozean gelehrten Wissens“. Man rechnet in
Tibet damit, dass ein verstorbener Großlama sich innerhalb von 49 Tagen in
einem neugeborenen Kind wiederverkörpert. Gewisse Körpermerkmale des
Kindes sowie Wundererscheinungen zur Zeit seiner Geburt und Krankenheilungen
bei Berührung des Kindes sind für seine endgültige Bestimmung
entscheidend. Schließlich muss das Kind als Probe der Echtheit seiner
Inkarnation aus einer Fülle von Gegenständen nach solchen greifen, die
dem verstorbenen Großlama gehört haben.
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